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Apollonius
Philostrat

Ein Bote trat zu den Weisen und führte ihnen hilfsbedürftige Inder zu. Unter diesen war ein Weib, das sie wegen ihres Sohnes anflehte. Sie erzählte, er sei 16 Jahre alt und seit 2 Jahren besessen. Das Wesen des Dämons sei höhnisch und lügenhaft. Da nun einer der Weisen fragte, woher sie dies behaupte? sagte sie, der Knabe sei von besonders angenehmer Gestalt.

Daher liebe ihn der Dämon und gestatte ihm nicht, vernünftig zu sein, noch zu einem Lehrer oder Bogenschützen zu gehen, noch zu Hause zu bleiben, sondern treibe ihn in die öden Gegenden hinaus.

Auch seine eigene Stimme, fuhr sie fort, hat der Knabe nicht, sondern er spricht in einem tiefen und hohlen Ton wie die Männer und schaut mehr mit fremden Augen (denen des Dämons) als seinen eigenen.

Ich weine nun hierüber und härme mich ab und ermahne meinen Sohn, soviel ich vermag. Er aber kennt mich nicht.

Als ich nun hierher zu gehen beschloss - ich fasste diesen Entschluss im vorigen Jahr -, sprach sich der Dämon durch das Organ des Knaben aus und sagte, er sei der Geist eines Mannes, der im Kriege geblieben sei. Bei seinem Tod habe er seine Frau geliebt. Da sie aber gegen sein Bett gefrevelt und 3 Tage nach seinem Tode einen anderen geheiratet habe, sei ihm von dieser Zeit die Liebe zu dem weiblichen Geschlecht verhasst worden, und er habe sich zu diesem Knaben gewendet.

Er versprach mir, wenn ich ihn nicht bei euch verklage, dem Knaben viel Schönes und Gutes zu erweisen.

Ich liess mich hierdurch bewegen. Er aber hält mich nun schon lange Zeit hin und hat mein Haus allein in seiner Gewalt und sinnt auf nichts als auf Frevel und Trug.

Der Weise fragte hierauf weiter, ob der Knabe in der Nähe sei. Sie verneinte es. Zwar habe sie alles getan, um ihn hierher zu bringen.

Der Dämon aber, setzte sie hinzu, droht mit Felsen und Abgründen und will meinen Sohn ermorden, wenn ich ihn hier vor Gericht stellte.

Sei getrost, sagte der Weise, er wird deinen Sohn nicht töten, wenn er dies hier liest, und dabei zog er einen Brief hervor und gab ihn dem Weib.

Der Brief aber war an den Geist gerichtet und enthielt schreckende Drohungen.

Angeblich ein Auszug aus Flavius Philostratus’
Leben des Apollonius