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Karten
Plattkarten

Toscanellis Karte gehört zur Spezies der “oblongen Plattkarten”: die geographischen Orte entstehen durch die Projektion der Globus-Kugel in einen Zylinder, der dann abgerollt wird. Diese Art der Projektion ist längentreu, da die Nord-Süd-Abstände der Orte stimmen. Nicht so die Ost-West-Abstände, mit Ausnahme des Äquators.

Entwickelt wurde dieser Kartentyp von Marinus von Tyrus ca. 100 v.C. Der versuchte damit die Forschungsergebnisse eines Diogenes abzubilden, die dieser etwa 110 v.C. auf seinen Reisen in Ost-Afrika, wahrscheinlich im heutige Tansania, gesammelt hatte. Er schrieb darüber ein Werk namens Periplus Maris Erythraei .

Kolumbus besaß auch ein Exemplar der Historia rerum ubique gestarum von Eneas Silvio Piccolomini, dem späteren Paps Pius II. (nebenstehende Abb. zeigt K.’s Exemplar mit 861 Anmerkungen, steht in der Bibliothek Biblioteca Capitular y Colombina in Sevillia).

Navigation

Zu Kolumbus’ Zeit wurde meisten noch nicht mit den Sternen navigiert, sondern mit Bezug auf Kompassrichtung und gefahrener Strecke (“Koppeln”*). Der Kompass war etwa seit dem frühen 12. Jhd. in Europa in Gebrauch, bei der gefahrenen Strecke spielt die Geschwindigkeit natürlich eine Rolle. Die wurde mit einem Lot gemessen, dass seitlich im Wasser hing und - je nach Fahrtgeschwindigkeit und damit Winkel - auf der Reling herumrutschte. Zwei Markierungen waren relevant: beim Überschreiten der ersten stimmte der Steuermann ein schnelles Lied an, dass beim Überschreiten der zweiten Markierung wieder aufhörte. Die letzte gesungene Silbe sagte dem Steuermann, wie viel Zeit nach dem Ausbringen des Lots zwischen erster und zweiter Markierung vergangen war und gab damit einen Hinweis auf die Geschwindigkeit.

Die Geschwindigkeit wurde stündlich gemessen und dann auf einem so genannten toleta eingetragen (eine hölzerne Windrose mit einem Loch in der Mitte und Löchern am Umfang: jede Stundenstrecke wurde mit einem Stück Seil von der Mitte aus in die gefahrene Richtung markiert, abends wurden alle Richtungen und Strecken zusammengetragen und in eine Karte übertragen).

Kolumbus ist per “Koppeln” gesegelt: Das Logbuch der ersten Fahrt hat keine Einträge über astronomische Navigation, es fehlen auch die typischen Kurskorrekturen, die bei einer astronomisch korrigierten gekoppelten Navigation entstehen.

* Das Mitverfolgen der Schiffsbewegung auf der Seekarte allein auf der Basis der seitdem zurückgelegten Kurse und Distanzen (also ohne Ortsbestimmung) vom letzten bekannten Ort aus, weil keine weiteren (beobachteten) Informationen zur Verfügung stehen. Koppeln ist sozusagen das rechnerische oder zeichnerische Extrapolieren des Schiffsortes vom letzten sicheren Standort aus, es erfordert streng genommen die Berücksichtigung aller vorhersehbaren Einflüsse (einschl. Strom). Der Begriff wird jedoch häufig weniger streng gebraucht.

* Das Koppeln (oder dead reckoning, abgeleitet von deduced reckoning: hergeleitete Berechnung). Mit ihm wird die Schiffsposition aus dem Kurs und der Geschwindigkeit ermittelt. Sie heißt auch Loggeort, weil am Log, dem Seemeilenzähler, die zurückgelegte Strecke abgelesen und in die Seekarte eingetragen wird